Der Duft von Helmut Schmidt – eine Liebesgeschichte

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Quelle: Ruhrnachrichten

Es ist eine Liebesgeschichte. Die Bundesrepublik liebt Schmidt. Den Atomkanzler. Den RAF-Kanzler. Den NATO-Doppelbeschluss-Kanzler. Und ich liebe ihn auch.Liebte.

Ich liebte ihn, weil er, wie Jost Kaiser sagte, die katholische Kirche der Politik war.  Weil er gezeigt hat, dass man mit Anstand und Moral Großes erreichen kann. Weil er Gegenwart und Vergangenheit verbunden hat. Weil er meine Welt verändert hat.

Zweifelsohne muss Schmidt nach Zigaretten gerochen haben. Zugegebenermaßen gibt es bessere Düfte als diesen. In meiner Fantasie hat er aber noch nach viel mehr gerochen: Weisheit, Güte, Disziplin, Moral, Geradlinigkeit und Weitblick.

Es waren seine Gedanken, unabhängig von seinem Alter, die bei mir Faszination und Unterwerfung hervorruften. Seine Ansichten zur Weltpolitik und zur Moral des Einzelnen.

Ich habe jedes einzelne Buch gelesen und aufgesaugt. So wie Obelix, wenn er doch einmal vom Zaubertrank trinken durfte. Ein Zaubertrank, der mich in die Extase eines Fußballfans brachte.

Gäbe es einen Fanschal, bedruckte T-shirts oder Buttons, so würde ich mir diese unkritisch und unreflektiert kaufen. Ich würde alle Fanlieder, die je für ihn geschrieben wurden lauthals mitgrölen. Ein Tattoo habe ich noch nicht.

Er hatte wohl recht, wenn er immer wieder kritisierte, wie unerwachsen so mancher Erwachsener doch ist. Weil wir keinen Krieg erlebt haben. Weil wir die Welt nicht gesehen haben, wie er sie gesehen hat. Weil er das Erwachsen sein für uns übernommen hat.

Aber „Helmut Schmidt ist tot, und wir, die ihn überlebt haben, müssen jetzt erwachsen werden. Ob wir es wollen oder nicht.“ (Giovanni di Lorenzo, http://www.zeit.de/politik/2015-11/helmut-schmidt-nachruf-politiker/seite-2)

 

 

 

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Wonach riechen eigentlich Burschenschaften?

Der Boden klebt, das Holz riecht morsch und nach altem, verschütteten Bier. Und getrocknetem Schweiß. Es ist unangenehm hier im Verbindungsraum der Corps Guestphalia in Erlangen. Sie grenzen sich von rechtslastigen Burschenschaften ab. Stehen für freie Köpfe und Vielfalt. Pardon, ich nehme an für freie Köpfe und Vielfalt bei Männern. Eine Mitgliedschaft für Frauen? Undenkbar. „Es gibt eben immer doch Dinge, für die Frauen heute auch noch ungeeignet sind“ erklärt mir ein Mann mit aufrechter Brust und einer Schärpe darum. Er trägt Narben im Gesicht. Ich frage ihn weiter, was er damit doch genau meint? Das Fechten? Das Trinken? Die viel erwähnte Freundschaft und Treue? Da kommt ein anderer Besucher dem Burschenschaftler zu vor: „Na so Sprüche die nur unter Männern gehen. Das halten Frauen nicht aus“. Wie das für mich riecht? Genauso wie der zu besichtigende Raum: Stark veraltet und morsch!

Die Seite der Verbindung: http://corpshaus.de/

Der blaue Pullover – oder weil Gerüche die Gedanken im Kopf tanzen lassen können

„Ich atme dich ein und nie wieder aus“ (Philipp Poisel) – wie gerne hätte ich das getan! Den Geruch einatmen und nie wieder ausatmen. Und manchmal tue ich das noch. Ich gehe zum Schrank hin, öffne die quietschende Tür und greife ganz nach hinten in das oberste Fach und ziehe den Azurblauen mit Perlen bestickten Pullover hervor. Ich setze mich auf den Fußboden meines Zimmers und vergrabe ganz behutsam meine Nase darin so als wäre es der aller größte Schatz aus einer alten Schatztruhe. Ich rieche daran,  voller Angst, dass der Geruch nicht mehr da sein könnte. Wenn ich dann merke, dass der Pulli immer noch nach ihr duftet, breitet sich in mir ein beruhigtes und wohliges Gefühl aus. Plötzlich sitze ich nicht mehr in meinem Zimmer sondern bin in der Wohnung meiner Großmutter. Ich sehe sie vor mir wie sie in der alten Küche steht. Ich höre den Kühlschrank brummen, sehe die kleinen roten verstaubten mit Zucker und Mehl befüllten Döschen und sie, wie sie gerade eine Scheibe Kümmelbrot mit der manuellen Brotschneidemaschine hinunterschneidet. Und plötzlich bekomm ich den Geruch von dem Brot und dem „heiße Liebe“ Tee in die Nase den ich dort immer getrunken habe. In meinem Kopf gibt es diesen Ort noch. Und in der Realität existiert er schon längst nicht mehr. Sobald ich das begreife sehe ich gleich wieder die Bilder vor mir, wie meine Verwandten in wenigen Wochen den Ort meiner Kindheit völlig leer geräumt haben. Wie fremde Leute in die Wohnung kamen und Geschirr und Möbel mitgenommen haben. Plötzlich ist die Wohnung leer. Ich lege den Pulli beiseite und sitze wieder in meinem Zimmer. Ich merke, dass der Pullover nach den vielen Jahren immer mehr den Geruch verliert und weiß ganz tief in mir drinnen, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem der Geruch völlig verschwunden sein wird.

Der Duft der Buchnesia

Buchnesia Deutscher Meister 2013

Ich war 11 Jahre alt als ich das erste Mal die Turnhalle in der Fuggerstraße betreten habe. Ich kann mich noch genau daran erinnern. So viele Kinder, die in dieser rießigen Halle rumwuselten, Räder schlugen, Schritte übten. Manchmal kommt es mir vor, als wäre es erst gestern gewesen als mich am Ende des Trainings unsere Trainerin fragte, ob ich am Montag wieder kommen möchte. Mehr als 12 Jahre kam ich Montags, Mittwochs, Freitags oder auch mal am Wochenende in die Halle. Die Turnhalle ist ein Ort geworden, an dem man sich zu jeder Zeit sicher gefühlt hat, egal welcher Sturm draußen tobte. Wie viele Stunden ich in meinem Leben dort verbracht habe weiß ich nicht mehr. Aber ich habe das Gefühl, dass sich jede einzelne gelohnt hat. Auch wenn ich schon länger  nicht mehr in der Halle war erinnere ich mich doch genau, wie es dort riecht. Der alte grüne Boden, der schon klebt vor lauter warmen Atem, die Umkleide, in der die Jüngeren ihr Vanilledeo ausgebreitet haben, der Duft der alten Weichbodenmatte auf der man schon so oft gelegen war.

Wenn ich meine Augen schließe und an die Buchnesia denke, dann kommt sofort der Geruch des Waschmittels in meine Nase, mit der die Kostüme immer gewaschen wurden. Der Geruch des Schuhputzmittels frühs in der Turnierumkleide, der Geruch von dem Mann,  der immer alle Mädchen gedehnt hat und natürlich auch der Duft von meiner Trainerin. All das zusammen war so viele Jahre der Mittelpunkt meiner Welt. Und irgendwann habe ich aufgehört diesen Duft zu mögen…

Ein Tag im November am Tegernsee

TegernseeDer November ist der Monat, in dem man sich am liebsten ständig unter der Decke verkriechen würde. Die Luft ist kalt, die Erkältungszeit beginnt und die vorweihnachtliche Zeit mit den vielen Lichtern lässt noch auf sich warten. Doch manchmal gibt es auch Tage im November, die wunderschön sind und an den vergangenen Sommer erinnern. Heute war so ein Tag, ein Tag im November am Tegernsee. An so einem Tag versammeln sich viele Menschen, die alle einen eigenen Duft hinterlassen. Familien, die einen gemeinsamen Sonntagsausflug machen und mit ihren Kindern im Gras herumtollen, ein altes Ehepaar, dass sich an das Flussufer setzt und auf einer Bank die Sonne genießt oder einfach ein paar Studenten, die nach einem gemeinsamen Wochenende noch zusammen einen Kaffee trinken. In solchen Momenten würde man am liebsten mit der Nase alles einfangen um sich später wieder daran erinnern zu können. Der unschuldige Duft der Kinder, die noch alles vor sich haben, der Duft eines schon fast gelebten Lebens und der Geruch von  fast verantwortungsbewussten jungen Menschen, die gerade dabei sind ihre Träume zu verwirklichen. Düfte so frisch und doch schon wieder verbraucht. Düfte, die einen daran erinnern, dass das Leben nicht langsam genug vergehen kann. Düfte, die einen innehalten lassen und einem zeigen wie schön das Leben sein kann.

Zeeland, Zeeland!

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Ich sitze auf dem Beifahrersitz gekuschelt im Auto, die Musik spielt weiter vor sich hin und auf einmal öffne ich meine Augen. Hier riechts anders! Und tatsächlich wir haben Deutschland verlassen und sind auf Niederländischem Boden. Ich kann die Niederlande riechen!

Die niederländischen Provinz Zeeland: Ein Fleckchen Erde so reich an den herrlichsten Gerüchen. Die kleinen roten Backsteinhäuschen mit großen weißen Fenstern und einem kleinen Zaun davor sind das erste was man in den kleinen Städtchen Zeelands riecht. Sie riechen nach vergangenen Zeiten, nach Heimat und einer kochenden Tasse Tee. Überwältigend und allgegenwärtig ist natürlich der Duft der Nordsee. Schon hunderte Meter vor den Deichen steigt einem der Geruch von wellenschlagendem Salzwasser, gemischt mit Algen und Fischen, in die Nase. Gleichzeitig weht einem der Wind ins Gesicht, der immer wieder verschiedene Gerüche annehmen kann. Der schnelle heftige Wind riecht frisch, unbelastet und doch drückend. Der leichte Wind, der die Haare auf dem Kopf tanzen lässt, riecht mehr nach nach einer warmen leichten Brise. Ich nehme eine Hand voll Sand in die Hand und auch dieser verströmt den tiefen Duft der Nordsee. Ein Duft so wild und frei wie er nur sein kann. Ungezämt, losgelöst von allem. Und genauso losgelöst weht der Wind einem diesen Sand in jede Pore des Körpers.

Auf nach Zeeland! Auf zur nächsten Duftreise!

Things Großstädter don’t say

Es gibt Dinge, die man einfach nicht sagt und es gibt Dinge, die man einfach mal gesagt haben muss.

Things Großstädter don't say

Dieses Wochenende durfte ich ein neues Buch riechen, das sicherlich die Spiegel-Bestsellerlisten anführen wird. Auf meiner Bestsellerliste ist es schon bis an die Spitze gestiegen. Unterhaltsam, eloquent und mit ganz besonderem Charme: Things Großstädter don’t say. Das Buch riecht nicht wie alle anderen neuen Bücher. Man riecht den Autor durch die Seiten hindurch: kühle Bescheidenheit und gehemmter Stolzschweiß. Und gleichzeitig riecht es nach dem Lachen vieler glücklicher Menschen. Menschen mit Alltagshumor. Süßlich und warm. Was? Lachen kann man nicht riechen? Things Richfreunde don’t say!

Eine Leseprobe: http://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Things-Grossstaedter-Don-t-Say-Die-besten-Facebook-Eintraege/e454779.rhd?mid=4&serviceAvailable=true&showpdf=false#tabbox

Der Duft von Kloster Banz

Kloster Banz

Kloster Banz

Fettiges Essen, Saunaaufgüsse und Chlorgeruch im Schwimmbad:  neben diesen einem penetrant in die Nase steigenden Düften hat das Kloster einen ganz eigenen Geruch. Schließt man seine Augen und geht die langen Gänge entlang steigt einem aus jeder Pore der alten Klostermauern der Duft in die Nase. Es ist ein warmer Geruch. Ein Geruch der einem ein heimeliges Gefühl verleiht. Es ist ein Geruch, der nach alten Wänden und Türen riecht und sich mit den Düften verschiedenster Menschen vermischt. Ein Geruch, der immer wieder unterbewusst Leute dazu verleiht nach Banz zurückzukehren und sich wohl zu fühlen.

Wer sich selbst mal ein Bild vom wohl schönsten und best riechenden Kloster Deutschlands machen will der schaut sich dieses 360 Grad Bild (gemacht von Maximilian Bäumler) an:

Kloster Banz made by Maximilian Bäumler

Der Geruch von vermeintlichen Männerzimmern

Ich liebe meine Nase. Manche Menschen vertrauen ihren Augen, ich vertraue meiner Nase. Nicht weil sie so viel schöner ist als meine Augen. Auf meine Nase kann ich mich verlassen – dachte ich zumindest.  Heute morgen habe ich ein Zimmer betreten und es roch so herrlich nach Mann. Kein künstlich erzeugter Männer-Nivea-Men-Geruch sondern so wie ein Mann riecht, wenn er gerade aus dem Bett aufgestanden ist und noch nicht gelüftet hat: ein bisschen müffelig, ein wenig nach Schlaf und leicht süßlich und doch wieder herb. Zu meinem erschrecken musste ich jedoch erfahren, dass in diesem Raum kein Mann sondern ein Mädchen wohnt. Ich hoffe meine Nase erholt sich von diesem Riech-Irrtum.

Die Bürde der Doktorwürde

Heute wieder neues von den Karrieremenschen mit Brille. Es riecht nach einem Gewitter. Und derjenige, über dem es sich zusammenbraut, spannt nicht etwa seinen Regenschirm auf, sondern läuft geradewegs auf eine Wiese zu, um sich vom Blitz erschlagen zu lassen. Hoffentlich schafft er es noch unter das nächste Dach. Ansonsten droht ihm wie seinen Vorgängern ein Blitzschlag. Klugerweise hat sich der Mann seiner Bürde mehr oder weniger rechtzeitig entledigt. Und trotzdem: Wieder mal mehr Schein als sein – zum Ärger all derjeniger, die in mühevoller Arbeit ihre Werke der Würde entgegen strebend verfassen und nicht von der Bürde erdrückt werden. Sowas ist auch von einem Generalsekretär zu erwarten. Theoretisch natürlich.

http://www.sueddeutsche.de/bayern/posse-um-csu-generalsekretaer-doktorchen-scheuer-1.1865557